"Corona-Impfung auch für Allergiker möglich"

 Reinhard Würzner, Med. Mikrobiologe an der Medizinischen Universität Innsbruck
MUI/Bullock

Selbst bei Patienten mit früheren großen Unverträglichkeiten sind nur milde Zwischenfälle aufgetreten. Ein Notarzt ist ohnehin immer vor Ort.

3 Fragen an Reinhard Würzner, Med. Mikrobiologe an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Interview: Alexandra Plank/Tiroler Tageszeitung

Ist die Sorge mancher Allergiker bezüglich Corona-Impfung berechtigt?

Reinhard Würzner: Jein! Weil man in der letzten Phase vor der Zulassung Allergiker erstmal außen vorgelassen hat, um schneller voranzukommen, ist diese Gruppe recht wenig untersucht. Bei den Allergikern brauchen sich jene, die nur milde Allergien, etwa gegen Lebensmittel, gezeigt haben, keine Sorgen zu machen. Aber auch Allergiker, die eine große Unverträglichkeit erfahren haben, einen „anaphylaktischen Schock", werden wie alle unter ärztlicher Aufsicht geimpft, auch ein Notfallmediziner ist da. Geben Sie aber bekannt, ob Sie so eine Situation schon erlebt haben. Doch die Sorge ist eher theoretisch. Seit der Zulassung sind weltweit Millionen Impfstoffe auch an Allergiker verimpft worden, bei nur ganz wenigen und recht milden Zwischenfällen, sodass dies eine reine Vorsichtsmaßnahme ist.

Bezieht sich die Unverträglichkeit auf bestimmte Allergien?

Hierzu muss man wissen, dass gegen die mRNA, den „genetischen Bauplan", eine anaphylaktische Reaktion kaum vorstellbar scheint. Diese mRNA wird im Körper nach wenigen Tagen vollständig eliminiert. Um aber bis dahin die Bildung spezifischer Eiweiße anzukurbeln, die einem Teil (!) des Virus entsprechen, wird diese mRNA mit einer Fettschicht, einem Mantel aus Lipid-Nanopartikeln versehen. Dieser schützt die mRNA bis zum Eindringen in die Zellen, wo die Eiweißproduktion stattfindet. Daher stehen Lebensmittelallergiker und Menschen, die gegen Antibiotika oder andere Medikamente allergisch sind, eher im Fokus, weil diese Substanzen Fettsäuren enthalten können, gegen die eine Allergie möglich erscheint. Die Erfahrungen der ersten Wochen zeigen aber, dass dies wohl mehr eine theoretische Möglichkeit ist.

Gibt es Impfstoffe, die speziell auf Allergien untersucht sind?

 In der EU werden bis Monatsende wohl nur zwei Impfstoffe verfügbar sein — beides mRNA-Impfstoffe. Sie sind gleich gut geeignet. Zu weiteren noch auf den Markt kommenden Impfstoffen gibt es noch Klärungsbedarf. Mir ist nicht bekannt, dass diese bezüglich eines möglichen anaphylaktischen Schocks besser untersucht sind, wenn sie auf den Markt kommen. Im Gegenteil, jeden Tag kommen Tausende Beobachtungen dazu, daher gibt es keinen Grund, auf eine Alternative zu warten. Mit über 90 Prozent ist der Impfschutz dieser mRNA-Impfstoffe so hoch, dass andere Impfstoffe erst in diesen Bereich kommen müssen.

 

Das Interview führte Alexandra Plank von der Tiroler Tageszeitung. Das Interview erschien am 10.1.2021 in der Tiroler Tageszeitung und wird mit freundlicher Genehmigung der Tiroler Tageszeitung auf www.allergia.at publiziert.