Mit Schulbeginn kehrt auch Asthma aus dem Urlaub zurück

Schüler beim Lernen
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Jedes Jahr leiden asthmakranke Kinder im September verstärkt unter Asthmaanfällen. Ärzte können das bestätigen, schließlich verzeichnen sie pünktlich zu Schulbeginn ein verstärktes Aufkommen in ihren Praxen.

Alles reiner Zufall oder lassen sich für dieses Phänomen einfache Ursachen finden? Zwischen 2005 und 2009 wurde dazu in Israel eine Studie durchgeführt. Ziel war es, die Ursachen aufzudecken, um Patienten, Eltern und Ärzte eine Basis für Lösungen zu bieten. Dazu wurden in diesem Zeitraum Daten von knapp einer Million Kinder zusammengetragen, analysiert und ausgewertet.

Arztpraxis wegen Urlaub geschlossen

Nicht nur Schüler haben Sommerferien, auch der eine oder andere Arzt schließt im Sommer die Praxis um Urlaub zu machen. Aber soll das der Grund dafür sein, dass asthmakranke Kinder im September verstärkt in Arztpraxen behandelt werden müssen?

Viele Ärzte verzeichnen nach dem Urlaub tatsächlich vorübergehend steigende Patientenbesuche. Offenbar warten viele Patienten, bis ihr Hausarzt aus dem Urlaub zurück ist anstatt sich vom Vertretungsarzt behandeln zu lassen. Man könnte meinen, das trifft auch auf asthmabedingte Fälle zu. Gegen diese Annahme gibt es aber sachliche Einwände.

  • Im Vergleich zum Anstieg der Arztbesuche bei den üblichen Beschwerden ist der Anstieg zu Schulbeginn wegen asthmabedingten Beschwerden deutlich höher. Ein Unterschied, der sich mit dem Urlaub der Ärzte alleine nicht erklären lässt.
  • Außerdem berücksichtigen Kinder- und Lungenfachärzte bei ihrer Urlaubsplanung wichtige Ereignisse wie zum Beispiel den Schulbeginn und sind rechtzeitig aus dem Urlaub zurück in ihrer Praxis. Ein vorübergehender Anstieg asthmabedingter Beschwerden würde somit vor Schulbeginn stattfinden, nicht danach.
Ist Schulstress der Grund für erhöhte Asthmabeschwerden?

Während Kinder in den Sommerferien frei und unbeschwert in den Tag hineinleben, beginnt mit dem neuen Schuljahr der regulierte Alltag, geprägt vom Unterrichts-, Lern- und Prüfungsstress. Dass Stress Asthma triggern kann, ist bekannt.  

Die Rückkehr der Kinder in die Schulklasse führt auch dazu, dass Kinder wieder verstärkt mit anderen Kindern in Kontakt kommen. Das bedeutet einen verstärkten Austausch von Infektions- und Atemwegskeimen. Ein an sich normales Ereignis, das für Kinder mit Asthma unter bestimmten Voraussetzungen ein Problem darstellen kann.

Herbstzeit ist Grippezeit

Nicht nur Kinder tummeln sich ab September in den Schulklassen, auch Rhinoviren haben zu dieser Jahreszeit Hochsaison. Allerdings verläuft eine Infektion mit Rhinoviren in der Regel ohne Komplikationen. Für asthmakranke Kinder kann eine Infektion aber ebenso gefährlich werden wie für ältere Personen mit schwachem Immunsystem.

Die Sommerferien verleiten viele Kinder, die ärztlich verordnete Medikation nicht zu befolgen …

Interessante Details brachte eine Analyse und Auswertung der Verordnungsdaten zu Tage. Diese ergaben, dass viele asthmakranke Kinder während der Sommerferien die ärztlich verordnete Therapie nur zum Teil oder gar nicht befolgten.

Die unbeschwerte Zeit während der Sommerferien und ein stabiler Gesundheitszustand waren offenbar die Gründe, warum die vom Arzt verordnete Therapie vernachlässigt wurde. In weiterer Folge wurde der Gesundheitszustand der Kinder geschwächt, was sich aber erst unter dem Einfluss weiterer Umstände bemerkbar machte.

Asthmabeschwerden zu Schulbeginn – die Summe verschiedener Ursachen

Zurück in der Schulklasse sind Kinder einer Reihe von Triggern ausgesetzt. Haben sie während der Ferien ihre ärztlich verordnete Therapie zum Teil oder gänzlich vernachlässigt, ist ein geschwächter Gesundheitszustand die Folge. Treffen Trigger wie Schulstress und Infektionskeime auf den geschwächten kindlichen Organismus, können sie einen asthmatischen Anfall auslösen.

Ärzte raten Eltern dringend darauf zu achten, dass Ihre Kinder während der Sommerferien die ärztlich angeordnete Therapie befolgen. Zwar können nach Erreichen eines stabilen Gesundheitszustandes die verordneten Medikamente langsam reduziert werden, aber nur um die niedrigste effektive Dosis zu finden. Außerdem soll die Reduktion der Medikamente nur unter ärztlicher Anleitung und unter Aufsicht der Eltern vorgenommen werden.